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Neue MPU-Beurteilungskriterien 2026: Was sich bei Haaranalysen und Abstinenznachweisen ändert

Neue MPU-Beurteilungskriterien 2026: Was sich bei Haaranalysen und Abstinenznachweisen ändert

Stand: 7. September 2026

Wer eine Haaranalyse für die MPU benötigt, sollte vor der Bestellung klären, welche Untersuchung tatsächlich gefordert ist. Mit der 5. Auflage der MPU-Beurteilungskriterien wurden 2026 wichtige fachliche Vorgaben aktualisiert. Dazu gehören die Bewertung von Cannabiskonsum, Anforderungen an die Probenentnahme und der Untersuchungsumfang bei Medikamenten.

Die wichtigste Botschaft: Ein negatives Laborergebnis allein ist noch kein vollständiger, anerkannter Abstinenznachweis. Ebenso wichtig sind die passende Fragestellung, der erforderliche Zeitraum und die dokumentierte Durchführung.

Dieser Ratgeber erklärt die wesentlichen Änderungen und zeigt, worauf Sie bei der Auswahl einer Untersuchung achten sollten. Einen grundlegenden Einstieg bietet unser Beitrag MPU und Haaranalyse – was wird wirklich verlangt?

Was sind die MPU-Beurteilungskriterien?

Die Beurteilungskriterien werden von der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie (DGVP) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin (DGVM) herausgegeben. Das Fachwerk beschreibt wissenschaftliche Maßstäbe für die Fahreignungsbegutachtung. Die darin enthaltenen CTU-Kriterien betreffen chemisch-toxikologische Untersuchungen und deren Verwertbarkeit.

Wichtig ist die Unterscheidung: Die Beurteilungskriterien sind kein eigenständiges Gesetz. Sie konkretisieren den fachlichen Standard. Die Fahrerlaubnis-Verordnung, Anlage 4a, verlangt unter anderem eine anlassbezogene Begutachtung nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen.

Seit wann ist die 5. Auflage maßgeblich?

Die gedruckte 5. Auflage erschien Anfang März 2026. Nach Angaben der Fachgesellschaften sollten wesentliche Regelungen unmittelbar berücksichtigt und notwendige Umstellungen spätestens bis Ende August 2026 abgeschlossen sein. Für einzelne Änderungen wurden frühere Termine oder besondere Übergangsregelungen vorgesehen. Die DGVP erläutert Veröffentlichung und Umsetzung der BK 5.

Das bedeutet nicht, dass jeder früher ausgestellte Befund automatisch ungültig wird. Bei laufenden Nachweisen sollte die verantwortliche Stelle prüfen, welche Anpassungen im konkreten Fall nötig sind. Lassen Sie sich dies erklären, bevor Sie eine Untersuchung wiederholen oder einen Nachweis abbrechen.

Private Haaranalyse oder MPU-Abstinenznachweis?

Eine private Haaranalyse kann zur persönlichen Orientierung dienen. Die Probe wird dabei selbst entnommen. Ein solcher Befund lässt sich nicht allein durch ein negatives Ergebnis in einen offiziellen MPU-Abstinenzbeleg umwandeln.

Für einen verwertbaren Nachweis müssen insbesondere Identität, Probenzuordnung, Entnahme und Untersuchungsumfang nachvollziehbar sein. Die Anforderungen an Stellen, die Abstinenzbelege erheben und auswerten, beschreibt Anlage 4a Nummer 6 FeV.

Auch „gerichtsverwertbar“ und „vollständiger MPU-Abstinenznachweis“ sind nicht gleichbedeutend. Ein einzelner Laborbefund ersetzt nicht automatisch die Dokumentation des gesamten geforderten Zeitraums. Anforderungen aus anderen gerichtlichen Verfahren sind zudem nicht pauschal mit den MPU-Vorgaben identisch.

Die Unterschiede erklären wir ausführlicher im Ratgeber Private oder gerichtliche Haaranalyse – welche Untersuchung ist die richtige?

Probenentnahme: Warum ein Arzttermin allein nicht genügt

BK 5 präzisiert die Anforderungen an externe Probenahmestellen und ihre Dokumentation. Eine Schulungsbescheinigung allein ersetzt nicht die erforderliche organisatorische Einbindung. Bei externen Stellen im Verantwortungsbereich eines Labors sind insbesondere dessen Qualitätsmanagement und Akkreditierungsanforderungen zu beachten. Dies beschreibt die Änderungsübersicht der Fachgesellschaften im Abschnitt CTU 2.

Klären Sie deshalb vor dem Termin, ob die konkrete Entnahmestelle und der geplante Ablauf für Ihren MPU-Nachweis geeignet sind. Eine Entnahme beim Hausarzt ist nicht allein deshalb ausreichend, weil sie ärztlich erfolgt.

Cannabis: Nicht jede Fragestellung bedeutet dieselbe Abstinenzpflicht

Die neuen Kriterien unterscheiden verschiedene Ausprägungen einer Cannabisproblematik. Bei bestimmten Fällen kann ein stabil verändertes, niederfrequentes Konsumverhalten berücksichtigt werden. Bei Abhängigkeit oder einer fortgeschrittenen Problematik bleibt dagegen ein Abstinenzerfordernis relevant. Welche Einordnung zutrifft, ist eine fachliche Einzelfallentscheidung – keine Entscheidung anhand eines Shopprodukts. Die Änderungen finden sich in der BK-5-Übersicht zu den D-Hypothesen.

Deshalb sollte vor der Auswahl eines Tests geklärt werden, ob vollständige Abstinenz, ein bestimmtes Konsummuster oder eine andere Fragestellung überprüft werden soll. Ein Cannabis-Haarbefund allein entscheidet nicht über die Fahreignung.

Welche Rolle spielt THC-COOH?

THC ist ein Wirkstoff von Cannabis; THC-COOH entsteht bei dessen Verstoffwechselung. Die Stoffe sind bei der Interpretation eines Haarbefunds nicht austauschbar. Äußere Einträge können die Bewertung beeinflussen; auch die pauschale Aussage, eine Übertragung von THC-COOH sei grundsätzlich unmöglich, wäre wissenschaftlich zu weitgehend. Dazu liegen experimentelle Untersuchungen zu Cannabinoiden im Haar vor.

Für Abstinenzkontrollen betonen die Fachgesellschaften in BK 5 die Bedeutung von THC-COOH. Ihre Übergangsmitteilung beschreibt auch den Fall, dass eine nachträgliche unauffällige THC-COOH-Untersuchung derselben zunächst THC-positiven Probe als Abstinenzbeleg gewertet werden soll. Das setzt weiterhin einen geeigneten Untersuchungsablauf voraus. Siehe Übergangsregelungen, methodischer Teil C.

Zur persönlichen Orientierung bieten wir eine private Haaranalyse auf THC-Carbonsäure (THC-COOH) an. Wenn Sie einen MPU-Beleg benötigen, klären Sie bitte vorab die geeignete Untersuchungsform und Probenentnahme. Die verlinkte private Untersuchung ersetzt diesen formalen Ablauf nicht.

Alkohol und Drogen: Welche Zeiträume können Haare abbilden?

Bei Alkohol wird üblicherweise Ethylglucuronid (EtG) im Haar untersucht. Für MPU-Abstinenzbelege werden bei Alkohol maximal die kopfhautnahen drei Zentimeter herangezogen; bei Drogen sind regelmäßig bis zu sechs Zentimeter vorgesehen. Das entspricht näherungsweise drei beziehungsweise sechs Monaten. Die tatsächliche Planung hängt von der Fragestellung ab. Auch Labor Krone erläutert diese Zeiträume und ihre Grenzen.

Eine längere Haarsträhne bedeutet daher nicht automatisch einen entsprechend langen anerkannten Abstinenzbeleg. Haarwachstum und Ruhephasen begrenzen außerdem die zeitliche Genauigkeit. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Segmentanalyse und zeitlichen Einordnung von Haarbefunden.

Informationen zum Alkoholmarker, zu Grenzwerten und Einflussfaktoren finden Sie im Ratgeber zur EtG-Haaranalyse. Zu unseren Untersuchungen gehören die gerichtsverwertbare Alkohol-Haaranalyse auf EtG und die gerichtsverwertbare Multidrug-Haaranalyse. Der passende Umfang ist vor der Bestellung abzustimmen.

Medikamentenscreening: Der untersuchte Wirkstoffumfang zählt

BK 5 aktualisiert die Liste fahreignungsrelevanter Arzneistoffe, unter anderem um Doxylamin. Außerdem wurden die Anforderungen an Medikamentenscreenings überarbeitet. Eine allgemeine Bezeichnung wie „Medikamententest“ sagt nicht, welche Wirkstoffe enthalten sind. Grundlage ist die Änderungsübersicht zu den M-Hypothesen und CTU 3.

Prüfen Sie daher bei unserer gerichtsverwertbaren Medikamenten-Haaranalyse vorab, ob die benötigten Wirkstoffe erfasst werden. Teilen Sie auch mit, wenn die Untersuchung eine bestimmte verordnete Medikation oder eine behördliche Vorgabe betrifft. Ein Haarbefund beantwortet nicht automatisch alle Fragen zu einer laufenden Behandlung.

Checkliste: Das sollten Sie vor der Bestellung klären

  1. Zweck: Geht es um private Orientierung, einen Einzelbefund oder einen vollständigen MPU-Abstinenznachweis?

  2. Fragestellung: Welche Vorgabe enthält das Schreiben der zuständigen Stelle?

  3. Untersuchungsumfang: Welche Stoffe und Metaboliten müssen enthalten sein?

  4. Zeitraum: Welche Monate müssen lückenlos abgedeckt werden, und wann ist die MPU geplant?

  5. Entnahmestelle: Ist die gewählte Stelle für genau diesen Nachweis geeignet?

  6. Haare: Sind Haarlänge, Entnahmestelle am Körper und eventuelle Haarbehandlungen berücksichtigt?

  7. Dokumentation: Wer stellt erforderliche Einzelbefunde und gegebenenfalls einen zusammenfassenden Bericht aus?

Gerade bei Haarbehandlungen ist Vorsicht wichtig: Für einen EtG-Abstinenzbeleg werden getönte, gefärbte oder gebleichte Haare nach den Hinweisen von Labor Krone nicht anerkannt. Klären Sie die Eignung Ihrer Haare deshalb vor der Entnahme.

Haaranalysen bei Drogendetektive.com

Bei Drogendetektive.com erhalten Sie private und gerichtsverwertbare Haaranalysen. Wir bieten keine vollständigen Abstinenzkontrollprogramme an. Unsere Übersicht der gerichtsverwertbaren Haaranalysen erläutert auch diese Abgrenzung.

Benötigen Sie einen Befund für eine MPU oder eine andere formale Fragestellung, teilen Sie uns den Verwendungszweck bitte vor der Bestellung mit. Über unsere Kontaktseite können Sie die passende Analyse und die dafür erforderlichen Unterlagen mit uns klären. Die Anerkennung im konkreten Verfahren lässt sich nicht pauschal garantieren.

Fazit

Die neuen MPU-Beurteilungskriterien machen eine sorgfältige Planung besonders wichtig. Entscheidend ist nicht nur, ob eine Substanz nachgewiesen wird, sondern auch, ob Untersuchung, Zeitraum und Dokumentation zur konkreten Fragestellung passen. Klären Sie diese Punkte vor der Probenentnahme – so vermeiden Sie unnötige Untersuchungen und ungeeignete Nachweise.

Dieser Beitrag informiert allgemein über Haaranalysen und die Beurteilungskriterien 2026. Er ersetzt keine individuelle verkehrsmedizinische Begutachtung oder rechtliche Beratung. Maßgeblich sind die konkrete Fragestellung und die jeweils geltenden Anforderungen der zuständigen Stellen.